Am 9. September 1989 wurde in Grünheide bei Berlin der Gründungsaufruf des Neuen Forum erarbeitet. Damit trat die größte und wichtigste Bürgerbewegung des Herbstes 1989 auf den Plan. Unter den 30 Erstunterzeichnern waren mit Alfred Hempel und Jan Herrmann auch zwei Oberlausitzer. Mit dem Neuen Forum entstand erstmalig eine politische Plattform im außerkirchlichen Raum, welche die Menschen einlud, sich an der „... Diskussion und Bearbeitung lebenswichtiger Gesellschaftsprobleme ...“ (aus dem Gründungsaufruf des Neuen Forum) zu beteiligen.

Sehr schnell konstituierte sich auch in der Oberlausitz ein Koordinierungskreis zur Unterstützung der Anliegen des Neuen Forum. Oppositionelle Umwelt-, Friedens- und Menschrechtsgruppen und Kirchgemeinden in Großhennersdorf, Zittau, Löbau, Bautzen und Görlitz waren seit Jahren gut vernetzt und unterstützen die Bekanntmachung.

Die Arbeit war gefährlich: das Neue Forum wurde vom SED-Staat als staats- und verfassungsfeindlich eingestuft. In einer privaten Wohnung in Zittau wurde unter konspirativen Bedingungen der 19. Oktober 1989 vorbereitet. An diesem Tag versammelten sich mehr als 10.000 Oberlausitzer in drei Zittauer Kirchen, um das Neuen Forum kennen zu lernen und es zu unterstützen. Der Aufruf des Neuen Forum wurde in den Monaten September, Oktober und November 1989 von über 20.000 Bürgerinnen und Bürger der Oberlausitz unterzeichnet.